Grüne Mobilität: Wie Fortum mit der IBM Garage die Energiewende vorantreibt

In kürzester Zeit wurde mit Hilfe der IBM-Garage-Methodik eine praktikable Lösung für ein klar definiertes Problem entwickelt.

 

Die kommenden Jahre sind entscheidend im Kampf gegen die Klimakrise. Aber wo fängt man an? Und wie bricht man ein solch riesiges Problem in schnelle, zielgerichtete Maßnahmen herunter?

Diese Fragen hat sich auch der finnische Energieversorger Fortum gestellt und gemeinsam mit IBM iX und der IBM Garage Methodik an Lösungen gearbeitet. In diesem Fall ging es um grüne Mobilität und darum, was Fortum beitragen kann, um erneuerbare Energien effektiv für Elektromobilität einzusetzen.

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In einem CoCreation Prozess hat das internationale Team komplett remote zusammengearbeitet.

Gemeinsam Lösungen für eine ausbalancierte Netzauslastung finden

Widersprüchliche Ziele bremsen grüne Mobilität

Unsere Gesellschaft nimmt den Kampf gegen den Klimawandel auf, wobei Elektromobilität und erneuerbare Energien an vorderster Stelle stehen. Als separate Lösungen stellen diese Initiativen jedoch zwei große Herausforderungen dar. Erstens sind erneuerbare Energien nicht durchgehend verfügbar, weil sie von externen Faktoren wie dem Wetter abhängt, und stellt dadurch eine Gefahr für die Stabilität des Stromnetzes dar. Zweitens stößt das Stromnetz durch die Elektromobilität – und sei es nur die Versorgung der weltweit existierenden E-Fahrzeuge – bereits an seine Grenzen. Die Energiewende erfordert, dass erneuerbare Energien skalierbar genutzt werden können. Aber wie ist das effektiv möglich, während gleichzeitig alle zufriedengestellt werden: von E-Auto-Fahrer*innen bis zu Energieerzeuger*innen?

Pain Points der einzelnen Akteure müssen identifiziert werden

Fortum ist entschlossen, das Stromnetz auszubalancieren, damit grüne Ambitionen nicht scheitern. Das Problem: die Hauptakteure des Ökosystems haben widersprüchliche Ziele. Elektroautofahrer*innen wollen ihre Fahrzeuge bequem und kostengünstig laden. Betreiber*innen von Ladestationen möchten die Kosten für die maximale Energielast senken. Fuhrparkbesitzer*innen wollen ihre Flotten erfolgreich betreiben, können aber nicht zu 100 Prozent auf Ökostrom umsteigen, da sie noch nicht über die entsprechende Infrastruktur verfügen. Energieversorger wollen das Netz im Gleichgewicht halten, ohne das Kundengeschäft zu unterbrechen.
Fortum beschloss daher, alle in einem offenen Informationsaustausch zusammenzubringen. Um diesen Prozess zu erleichtern, arbeiteten sie mit der IBM Garage – einem bewährtem Framework, mit dem es gelingt, Menschen, Prozesse und Technologie an einen Tisch zu bringen.

Lösungen für die Energiewende im Sprint entwickeln

In nur zwei Wochen erkannte das Team, dass die einfache Platzierung einer zusätzlichen Batterie neben den Ladepunkten eine 100 Prozent grüne Mobilität in großem Umfang ermöglicht und das Stromnetz am Leben erhalten kann, während gleichzeitig das Servicelevel von CPOs (Charge Point Operators) und Flottenbesitzern maximiert wird.

Die Batterie bietet drei Lösungen in einer:

  1. Ladepunkte könnten mit der Batterie die Energielasten verwalten und Spitzen vermeiden, die das Stromnetz belasten und für den CPO teuer sind.
  2. Flottenbesitzer*innen können eher auf Schnellladung zurückgreifen.
  3. Energieerzeuger könnten primäre und sekundäre Reservekapazität für das Stromnetz bereitstellen und diese Flexibilität monetarisieren.
Fortum-map

Eine tragfähige Idee in kürzester Zeit

In wenigen Wochen haben Fortum und IBM iX eine Lösung definiert, die grüne Mobilität ermöglicht und einige Bedenken der wichtigsten Akteure in einem komplexen, vernetzten Ökosystem ausräumen kann.

Der Schlüssel war es, den Menschen zuzuhören, die sowohl von dem Problem als auch von der Lösung betroffen sind, um dann mit größtmöglichen Insights neue Ideen zu entwickeln.

Das Team arbeitete agil zusammen und zerlegte große Herausforderungen in überschaubare Teile, die in zeitlich begrenzten Timeslots angegangen wurden. Selbst ein so gewaltiges Problem wie die weltweite Energiekrise kann mit der richtigen Mischung aus Leidenschaft, Methodik und Fachwissen greifbar werden.

Die IBM Garage: Definieren, entwickeln, testen, validieren

Ein interdisziplinäres Team zusammenstellen

In der ersten Woche wurde ein interdisziplinäres Team aus Business Design- und Customer Experience-Expertinnen und Expert*innen von IBM iX aus Berlin, Genf, Hamburg, Helsinki, London, Miami und Zürich definiert. Das Team begann damit, die enorme Herausforderung der Energie-Verteilung in kleine, lösbare Initiativen aufzubrechen.

Einen Business Case für ein komplexes Ökosystem entwickeln

Es wurde ein Business Case erstellt, der Klimaziele mit Rentabilitätszielen verbindet und damit begonnen, die hochkomplexen Elektromobilitäts-Ökosysteme und Abhängigkeiten zu entschlüsseln. Zusätzlich zu IBM Cloud, IBM Watson und IBM Quantum Technologie, entschied man sich für Adobe Software, weil sie die benötigten End-to-End-Funktionen für die Erstellung, Ausführung und Analyse von Kundenerfahrungen bietet.

Das Team stellte fest, dass CPOs im Zentrum der Wertschöpfung stehen, da sie als Drehscheibe die Energieversorger mit den Nutzer*innen verbinden.

Ideen im menschenzentrierten Design- und Research-Prozess kreieren

Begonnen wurde mit einer human-centered Design-Research-Phase, um Risiken zu minimieren, die Fragestellung zu schärfen und auf den richtigen Weg zu kommen. 16 Problemhypothesen und Annahmen wurden formuliert, um den Wertfluss des Ökosystems zu validieren. Diese Hypothesen wurden daraufhin in Interviewfragen und Forschungsziele übersetzt.

Insgesamt wurden 14 Interviews mit E-Auto-Fahrer*innen, CPOs und Flottenbetreibern durchgeführt. Darauf basierend folgten Konzepttests mit diesen Gruppen. Die Ergebnisse zeigen, dass E-Fahrer*innen vor allem Wert auf Komfort legen und wenig Anreiz haben, ihr Verhalten zu ändern. Zudem zeigen sie, dass CPOs Ladespitzen als massives Problem ansehen und dass Flottenbetreiber schlechte Erfahrungen mit E-Mobilitätsanpassungen gemacht haben.

In der Test- und Validierungs-phase Probleme lösen

In der zweiten Woche stand die Problemlösung auf der Agenda. In enger Zusammenarbeit entstand ein Projektplan und der „Golden Thread“ – eine Zukunftsvision, die sich durch jeden Aspekt des Projekts zieht. Mittels Brainstorming entstanden kreative Lösungen in gemeinsamen Arbeitssessions.

Unter Verwendung von designgetriebenen Ansätzen, einschließlich IBM Garage Enterprise Design Thinking, wurden Lösungshypothesen und Szenarien erstellt. Es wurde kontinuierlich getestet und die Lösungsansätze entsprechend angepasst, z. B. auf Basis von täglichen Interviews.

Ein Proof of Concept wurde erstellt, um die Möglichkeiten mit Adobe-Technologien zu erkunden. Zudem wurden Prototypen von technischen Architekturen und User Journeys auf Basis von Adobe erstellt. Mithilfe eines Prototyps in Form einer Landingpage prüfte IBM iX die Businessidee. Die Testperso­nen navigieren »laut denkend« durch die Webseite und generieren so wichtige Informationen zur Weiter­entwicklung der Lösung

Zuletzt wurde auch eine Roadmap zur Überführung des Proof of Concept in die Produktion formuliert.

„Unsere Partner*innen bei Fortum haben einen starken Experimentiergeist und ­ver­­fügen über enorm viel technologische Expertise. Das war natürlich eine gute Grund­lage.”

Carlo Schulz
Design Research Director bei IBM iX

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